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Distanzreiter


  So, nun haben Sie sich also entschlossen. ihren ersten Distanzritt anzugehen! Prima! Sie haben ordentlich trainiert, ihr Pferd ist fit und gesund, und Sie haben auch ordentlich Kondition. Aber wie läuft das Ganze nun eigentlich ab?


Mit der Voruntersuchung fängt alles an.

Endlich der Start!

Auf der langen Strecke!

Oh, eine Kontrolle!

Der müde Punkt!

Endlich das Ziel!

Bangen bei der Nachuntersuchung.

Hurra, gewonnen!

 
 
Mit der Voruntersuchung fängt alles an oben
  Bevor ihr Pferd auf die Strecke des Distanzrittes gehen darf, muß es zuerst einmal den Tierärzten zur Voruntersuchung (VU) vorgestellt werden. Das Pferd wird ungesattelt und ohne Bandagen vorgeführt.

Das es geputzt ist und die Hufe ordentlich ausgekratzt sind, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wenn ihr Pferd schlägt oder ein Hengst ist, muß es darüberhinaus mit einer roten Schleife im Schweif gekennzeichnet sein.

In der Meldestelle haben Sie eine Karte erhalten, die sogenannte Checkkarte. Auf ihr sind alle Daten festgehalten: die Streckenlänge, der Reiter, Farbe, Stockmaß, Alter und Name des Pferdes. Diese Checkkarte geben Sie nun einem der Tierärzte oder Helfer. Ein guter Veranstalter wird dafür sorgen, daß die Teilnehmer nach ihren Startzeiten an die Reihe kommen. Aber auch wenn daß nicht der Fall sein sollte, drängeln Sie nicht. Sprechen Sie sich lieber mit den anwesenden Teilnehmern ab, so daß diejenigen, die früher starten auch zuerst untersucht werden.

Zunächst wird der Tierarzt überprüfen, ob es sich um das genannte Pferd handelt. Dann wird er den Pulsschlag des Pferdes mithilfe eines Stethoskops feststellen. Wenn das Pferd unruhig hin und her tanzt oder nach anderen Pferden wiehert, wird der Pulsschlag sich sofort erhöhen. In der Voruntersuchung ist das noch nicht so schlimm (es sei denn, es handelt sich um einen Einführungsritt, bei dem alle Pulswerte für die Wertung zählen), aber es ist natürlich für den Tierarzt fast unmöglich, den wahren Ruhepuls zu messen. Deshalb gewöhnen Sie ihr Pferd schon im Training daran, ruhig und bewegungslos stillzustehen und sich das Messen gefallen zu lassen. Das schont ihre Nerven und die des Tierarztes!
Als nächstes mißt der Tierarzt die Atmung des Pferdes. Entweder legt er das Stethoskop an der Luftröhre an oder er beobachtet die Flankenbewegung des Pferdes. Puls- und Atemwert werden in die Checkkarte eingetragen. Achten Sie genau auf diese Werte, sie können Ihnen jetzt schon verraten, ob ihr Pferd nervös ist. Normalerweise liegt der
Ruhepuls zwischen ca. 36 und 42 Schlägen pro Minute und der Ruheatem zwischen ca. 8 und 16.

Nun wird der Tierarzt den Rücken und die Beine des Pferdes untersuchen. Er prüft ob hier Verletzungen sind, die während des Rittes zu Satteldruck oder Lahmheit führen könnten. Ungewöhnliche Erscheinungsbilder, z.B. angeschwollene Sehnen, Überbeine oder wunde Stellen, werden in die Checkkarte eingetragen. Überprüfen wird der Tierarzt auch das Alter des Pferdes, indem er sich die Zähne ansieht. Die Farbe der Schleimhäute wird festgestellt und wie schnell sich die Kapillargefäße wieder füllen. Indem der Tierarzt eine Hautfalte aufnimmt und beobachtet, wie schnell sieh die Haut wieder glättet, kann er feststellen, wie gut durchblutet die Haut ist und ob das Pferd eventuell Anzeichen von Dehydration (innerer Austrocknung) zeigt.
Hat der Tierarzt alle Untersuchungen abgeschlossen, wird er Sie bitten, ihr Pferd zunächst im Schritt auf festem Untergrund (üblicherweise eine asphaltierte Straße) vorzuführen. Sie gehen im Schritt vom Tierarzt weg (ca. 50 m) und wieder auf ihn zu. Dann nochmals das Gleiche im Trab. Achten Sie darauf, daß das Pferd sich völlig frei und absolut gerade bewegt. Der Führstrick darf nicht angespannt sein, er soll locker durchhängen. Wenn ihr Pferd sich gerne hinterherschleifen läßt, nehmen Sie eine Gerte in die linke Hand und treiben Sie es damit von hinten an. Laufen Sie ganz gerade und achten Sie darauf, daß das Pferd keine Schlangenlinien trabt.

Wie soll der Tierarzt sonst erkennen, ob ihr Pferd klar geht! Üben Sie das korrekte Vortraben zu Hause, bis ihr Pferd sofort auf Kommando hin antrabt und sich ebenso leicht wieder durchparieren läßt. Wenn es davon stürmt, heben Sie die Gerte deutlich vor seine Nase und geben Sie ihm durch Körpersprache zu verstehen, daß es langsamer werden soll. Wenn Sie ein sehr heftiges Pferd besitzen, benutzen Sie eventuell eine Führkette über der Nase. Wenden Sie immer nach rechts, also außen um das Pferd herum.

Denken Sie immer daran, es ist in Ihrem und vor allem im Interesse ihres Pferdes, daß der Tierarzt die Gänge gut beurteilen kann und beginnende Lahmheiten sofort erkennt, bevor sie schlimm werden. Ist alles in Ordnung, erhalten Sie die Starterlaubnis indem der Tierarzt auf der Checkkarte sein okay gibt. Nun kann es wirklich los gehen!
 
Endlich der Start! oben
  Auf ihrer Checkkarte ist die Startzeit eingetragen. Auf kurzen und mittleren Distanzen wird in Gruppen gestartet (logisch Gruppenstart), meist mit ca. 5 min Abstand. Auf langen Distanzen startet man gemeinsam als Massenstart. Möchten Sie alleine starten erkundigen Sie sich vorher beim Veranstalter, ob er einen Einzelstart zuläßt.

Aber bevor Sie starten sollten Sie noch einiges bedenken. Putzen Sie ihr Pferd noch mal gründlichst um wirklich jedes Sandkorn aus der Sattellage zu entfernen. Satteln Sie besonders sorgfältig und achten Sie insbesondere darauf, daß die Decke oder das Pad absolut faltenlos liegen. Kammern Sie die Satteldecke ein (die Decke vorne am Widerrist etwas in die Sattelkammer des Vorderzwiesels hochziehen). damit Sie Scheuerstellen der Decke am Widerrist verhindern. Liegt der Sattel zu weit hinten oder zu weit vorn? Achten Sie beim Angurten genau darauf, daß der Gurt eine Handbreit entfernt vom Ellbogen des Pferdes liegt und bei einem Schnurengurt, daß sich keine Haare zwischen den Schnüren aufrichten. Überprüfen Sie beim Trensen gewissenhaft den richtigen Sitz. Der Stirnriemen darf nicht an den Ohren klemmen, die Backenstücke dürfen nicht auf den Jochbeinen aufliegen und das Reithalfter sollte zwei Fingerbreit unter dem Jochbein liegen Denken Sie daran: auf Distanzritten ist atembeengende Zäumung verboten, ebenso wie Hilfszügel. Also verwenden Sie kein Hannoversches, Bügel-. Mexikanisches oder Kombiniertes Reithalfter (das Englische Reithalfter ist ohne Zusatzriemen verwendbar). Alle diese Reithalfter, korrekt verschnallt, beengen die Nüstern des Pferdes.

Verwenden Sie keinen Stoß-, Ausbinde-, Dreiecks- oder Schlaufzügel, keinen Köhler- oder Thiedemannzügel, auch kein Chambon oder Gogue. oder ein Tie-Dowu, sie sind alle verboten. Manche Veranstalter erlauben nicht einmal ein Martingal als Hilfszügel, also informieren Sie sich vorher, bevor Sie eine böse Überraschung erleben.

Wenn Sie Gamaschen verwenden, achten Sie darauf, daß sie so gut sitzen, daß kein Sand hinein kommen kann und womöglich scheuert. Bandagen müssen so gut angebracht sein, daß sie nicht einschnüren oder sich lösen können, was durchaus bei einer Wasserdurchquerung passieren kann.

Mitnehmen sollten Sie in jedem Fall natürlich ihre Checkkarte und die Streckenkarte (falls Sie sich verreiten sollten). Es ist sinnvoll einen Schwamm und einen Hufauskratzer bei kaltem, windigem Wetter auch eine Decke) am Sattel zu befestigen, vor allem, wenn Sie keine Betreuercrew haben.

Jeder Marathonläufer wärmt sich vor dem Start auf. Startet er mit kalten Muskeln, so sind Zerrungen vorprogrammiert. Genauso ergeht es ihrem Distanzpferd. Auch seine Muskeln müssen vor dem Start erst einmal gelockert und vorgewärmt werden. Ob Sie ihm nun die Beine massieren und strecken oder vorsichtig ein wenig im Schritt und Trab und eventuell einem lockeren Galopp aufwärmen, bleibt jedem selbst überlassen. Finden Sie selber heraus, was am besten funktioniert.
Wenn nun der Start erfolgt, rasen Sie nicht gleich wie von Sinnen los. Das ist nur eine sinnlose Vergeudung von Kraft und über den Vorsprung den Sie damit erreichen, lachen ihre Mitreiter nur, wenn sie sie gemächlich überholen, sobald ihr Pferd zu müde zum weiter laufen ist. Wählen Sie von Anfang an ihr Tempo. Distanzritte werden auch im Kopf gewonnen! Wenn Sie von vornherein festlegen, wie schnell Sie reiten wollen und sich auch strikt an dieses Tempo halten, werden Sie viel eher unter den ersten sein, als wenn Sie nur schnell und kopflos losbrettern und die Kräfte ihres Pferdes überschätzten. Merken Sie sich: es schadet ihrem Pferd keineswegs
nicht bis an die Grenzen seiner Kräfte geritten worden zu sein! Und überhaupt, erst müssen Sie ankommen, bevor Sie gewinnen!
 
Auf der langen Strecke! oben
  Nutzen Sie die Frische ihres Pferdes ruhig aus und reiten Sie frisch vorwärts, ohne zu jagen. Die Strecke wird sich ohnehin noch in die Länge ziehen, so starten Sie gut motiviert auf die Strecke. Bringen Sie ihrem Pferd schon im Training bei, ein gleichmäßiges Tempo zu laufen, damit Sie auf einem Distanzritt rasch ihr Tempo finden. Am besten hat sich ein ruhiger, zügiger Trab bewährt. Das entspricht in ungefähr einem Tempo von 5 bis 6 min pro Kilometer. Man sagt dazu auch T5 bis T6.

Einführungsritte sind häufig tempobegrenzt. d.h. sie verlangen von vornherein ein bestimmtes Tempo. üblicherweise T5. Schnelleres Reiten wird nicht bestraft. aber auch nicht belohnt denn auf diesen Ritten wird mehr nach Pulswerten des Pferdes gerichtet.

Gelegentlich kann man auch ruhig galoppieren oder auch gemächlich Schritt reiten. Wichtig ist nur immer gleichmäßig zu reiten. Mehrere Kilometer schnell zu galoppieren und dann wieder lange Strecken Schritt reiten, verbraucht die Reserven des Pferdes viel mehr, als ein ruhiger, stetiger Vorwärtstrab. Es gibt Pferde, die vom Trab nicht allzuviel halten und lieber galoppieren. Lassen Sie ihr Pferd seine Gangart schon im Training selbst wählen und trainieren Sie entsprechend. Es zerrt an ihrer beider Nerven. wenn Sie ihr Pferd ständig wieder vom Galopp zum Trab durchparieren müssen. Bringen Sie ihm lieber einen flotten Trab bei, den es über lange Strecken auch durchhalten kann oder stellen Sie ihr Training auf sein Galoppieren ein, indem Sie ihm einen ruhigen, stetigen Galopp beibringen.

Wenn Sie in einer Gruppe reiten. hängen Sie sich nicht bloß hinten an. Wechseln Sie sich in der Führungsarbeit ab, denn vorne reiten ist anstrengender als sich mitziehen zu lassen. Wenn jemand aus der Gruppe schneller reiten will, lassen Sie ihn ruhig davonziehen, wenn er schneller als ihr Tempo reiten will. Aber haben Sie auch den Mut sich zurückfallen zu lassen, wenn Ihnen das Tempo der Gruppe zu schnell erscheint. Denken Sie nicht an die spätere Plazierung, sondern in erster Linie an die Kräfte ihres Pferdes. Wenn Sie am Ende der Strecke merken das ihr Pferd noch Reserven hat, dann können Sie immer noch vorwärtsreiten.

Gerade auf Ritten mit Gruppenstarts werden Sie immer wieder andere überholen oder selbst überholt werden. Jeder der überholen möchte, muß dies deutlich bekannt geben und die anderen müssen ihn vorbeilassen, notfalls müssen sie auch einmal durchparieren. Erkennen Sie auf der Strecke eine Kontrolle, so können Sie natürlich absitzen und ihr Pferd im Schritt hineinführen oder im Schritt hineinreiten. Bewährt hat sich aber auch ein langsames hinein "Joggen", wobei das Pferd noch so gerade eben im Trab bleibt.

Sie werden erstaunt sein, wie gute Werte ihr Pferd auf diese Weise hat, denn es hatte genug Zeit sich langsam auszupusten. Reiten Sie zusammen mit einigen anderen in eine Kontrolle ein, so seien Sie höflich genug auf alle zu warten und nicht im wilden Galopp davonzueilen. sobald ihr Pferd weiter darf. Die anderen Pferde werden hinterher wollen und sich natürlich aufregen. was ihre Pulswerte verändert. Darüber hinaus dürfen zeitgleich eintreffende Teilnehmer auch nur zeitgleich wieder weiter reiten. Nehmen Sie also darauf Rücksicht!
 
Oh, eine Kontrolle! oben
  In der Kontrolle, die angekündigt oder unangekündigt sein können, werden bei der sogenannten Radarfalle nur die Pulswerte genommen. Hier sind die Einlaufwerte, also die Werte die der Tierarzt als erstes mißt, von keiner großen Bedeutung. Sobald ihr Pferd den sogenannten Laufwert 72 erreicht hat, dürfen Sie hier schon weiterreiten. Wichtig ist nur, daß sich das Pferd innerhalb von 20 min auf 64 regeneriert ( nach internationalem Reglement und somit wahrscheinlich auch demnächst nach nationalem Reglement, 60 ). Sonst scheidet es aus.

In angekündigten Kontrollen und Pausen (Vet-Checks und Vet-Gates) ist die Regelung etwas anders. Der Einlaufwert wird genommen und das Pferd muß sich dann auch innerhalb von 20 min auf 64 (60)regenerieren. Meist werden Sie gebeten, 20 min nach der Messung des Einlaufwertes wieder zum Messen zu kommen. Die Pause beginnt direkt nach dem Messen des Einlauftwertes. In sogenannten Vet-Gates beginnt die Pause erst, wenn das Pferd den Wert 64 (60)erreicht oder unterschritten hat. Auch hier gilt, das der Puls innerhalb von 20 min 64 (60)erreicht haben muß, sonst scheidet das Pferd aus. Nach 20 min wird auch hier manchmal nachgemessen.

Sinnvoll ist es natürlich, um vor allem Zeit zu sparen. schon gleich mit dem 64 (60)Wert oder darunter in die Kontrolle zu kommen. Auch das können Sie im Training selbst üben bis Sie ein Gefühl für den ungefähren Wert ihres Pferdes bekommen. Noch einfacher geht es natürlich mit einem Pulsmessgerät, aber gültig ist letztlich der Wert, den der Pulshelfer mißt!

Kommt ihr Pferd mit zu hohen Werten in die Kontrolle, können Sie mehrere Dinge tun um die Werte zu senken. Ist es sehr warm, führen Sie es in den Schatten und lassen Sie es ruhig etwas grasen. Bieten Sie ihm Wasser an und waschen Sie es vorsichtig ab. Auf gar keinen Fall dürfen Sie die großen Muskelpartien, vor allem die Kruppe und die Rückenmuskulatur mit kaltem Wasser übergießen oder abwaschen! Womöglich bekommt das Pferd einen Muskelkrampf oder noch schlimmer Verschlag! Waschen dürfen Sie nur Hals und Beine. Um die Werte zu senken, können Sie die großen Adern des Pferdes, z.B. zwischen den Hinterbeinen, gründlichst mit kaltem Wasser waschen. Wenn ihr Pferd heißgelaufen ist, vergessen Sie nie ihm eine Decke über Rücken und Nieren zu legen. Dies gilt vor allem bei windigem Wetter.

Haben Sie die Pulskontrolle überstanden, müssen Sie ihr Pferd vortraben und der Tierarzt kontrolliert die Bewegungen auf Lahmheit. Er entscheidet, ob Sie mit ihrem Pferd weiterreiten dürfen. Aber betrachten Sie den Tierarzt deshalb nicht als persönlichen Feind. Letztendlich verhindert er nur, daß ihr Pferd überbelastet wird oder gar Schmerzen ertragen muß.

Pulswerte und Befunde im Gangwerk (die nicht immer zum Ausschluß führen müssen, z.B. wenn sich das Pferd vielleicht nur etwas vertreten hat, sich aber wieder einläuft) werden wieder in die Checkkarte eingetragen.

Manchmal wird auch ein sogenannter Ridgeway-Trot durchgeführt. Er wird oft unterschiedlich gehandhabt aber meistens wird ein Pulswert genommen, das Pferd vorgetrabt und dann nach 1 min nochmals Puls gemessen. Je nachdem wie viele Pulsschläge der zweite Wert über dem ersten liegt, kann der Tierarzt Rückschlüsse auf den Zustand des Pferdes ziehen. Manchmal äußert sich eine kommende Lahmheit vorab in den erhöhten Pulswerten des Ridgeway-Trots.

Nutzen Sie jede Möglichkeit ihr Pferd unterwegs zu tränken. Ideal sind natürlich Wasserdurchquerungen, denn sie kühlen gleichzeitig auch die Beine des Pferdes. Bei heißem Wetter, sollten Sie ihr Pferd immer wieder abwaschen und tränken. Aber seien Sie sparsam mit dem Waschen bei kaltem oder windigem Wetter. Meist schadet es dann mehr als das es nützt. Lassen Sie ihr Pferd ruhig grasen. Es nimmt dabei wichtige Nährstoffe auf und auch ein Pferd arbeitet besser mit etwas im Bauch als völlig hungrig. Selbstverständlich können Sie ihrem Pferd auch während des Rittes Elektrolyte oder Salz geben. Am bestens mischen Sie solche Präparate ins Tränkwasser und gewöhnen ihr Pferd im Training schon an den seltsamen Geschmack. Wenn ihr Pferd hingegen nicht trinken will, geben Sie ihm auf gar keinen Fall Elektrolyte. Diese ziehen durch Osmose nur noch mehr Wasser in den Darmtrakt ab. Wenn Sie meinen ihr Pferd müßte etwas fressen. bieten sie ihm saftiges Futter mit hohem Wassergehalt an. Möhren. Früchte und eingeweichte Rübenschnitzel sind ideal. Denken Sie aber bei allem was Sie füttern daran, daß beim Distanzreiten kein Doping erlaubt ist!
 
Der müde Punkt! oben
  Jeder Distanzreiter und jedes Distanzpferd kommt irgendwann an einen Punkt, wo das Vorwärtsgehen mühsam und der Elan verpufft ist. Wenn Sie merken. daß ihr Pferd lustlos läuft und sich immer treiben läßt, gönnen Sie ihm ruhig einmal eine Pause. Sitzen Sie ab und führen Sie eine Strecke, oder lassen Sie es etwas grasen. Sie werden erstaunt sein, wie schnell es sich wieder fängt!

Aber lernen Sie auch Warnzeichen ihres Pferdes kennen. wenn es nicht nur etwas müde ist,. sondern wirklich erschöpft. Nehmen Sie immer wieder unterwegs eine Hautfalte ihres Pferdes auf, am besten an der Schulter ziehen Sie sie hoch und lassen Sie sie wieder los. Beobachten Sie wie schnell sich die Haut wieder glättet. Dauert das länger als sonst, ist das Pferd erschöpft und etwas dehydriert. Versuchen Sie es ausgiebigst zu tränken und gönnen Sie ihm ruhig eine Pause. Sie müssen auch notfalls bereit sein, ihr Tempo zu drosseln oder womöglich ganz aufzugeben, wenn ihr Pferd zu erschöpft ist. Also lernen Sie die Körpersprache ihres Pferdes schon im Training kennen und verstehen.
 
Endlich das Ziel! oben
  Nach endlos scheinender Zeit nähern Sie sich nun dem Ziel. Rasen Sie jetzt bloß nicht wie von Furien gehetzt los. Sie könnten sich alles verderben, wenn ihr Pferd sich nicht mehr rechtzeitig regeneriert! Reiten Sie weiterhin ihr Tempo. Verzichten Sie, wenn möglich. auf ein spannendes Finish ins Ziel. Wenn Sie längere Zeit mit der gleichen Gruppe geritten sind, reitet man auch Hand in Hand durchs Ziel. Auf eine Plazierung besser oder schlechter kommt es nach dem Überwinden eines solchen Rittes doch nun wirklich nicht mehr an. Auf vielen Ritten wird deshalb auch nach ganzen Minuten gewertet. Denken Sie dran: Angekommen ist gewonnen!

Im Ziel werden wieder Einlaufwerte genommen und wieder muß das Pferd sich innerhalb der festgesetzten Zeiten regenerieren. Betrachten Sie das Ziel also ruhig als eine weitere Kontrolle.

Begehen Sie nicht den Fehler sofort abzusatteln, sobald Sie abgesessen haben! Das plötzlich in die Rückenmuskulatur zurück schießende Blut könnte winzige Blutäderchen zum platzen bringen und zu Ödemen führen. Lösen Sie zunächst vorsichtig den Sattelgurt und warten Sie immer wieder etwas ab, bis Sie ihn weiter lösen. Erst dann nehmen Sie den Sattel ab. Massieren Sie die Sattellage gründlich mit der Hand oder einer weichen Bürste und achten Sie jetzt schon auf Druckempfindlichkeiten ihres Pferdes. Auch jetzt dürfen Sie die Rücken- und Kruppenmuskulatur unter gar keinen Umständen abwaschen. Lediglich den Beinen tut eine kleine Dusche gut. Kontrollieren Sie sorgfältig die Beine ihres Pferdes und führen Sie es solange herum, bis es abtrocknet. Denken Sie auch hier daran, bei kaltem oder windigem Wetter eine Decke über den Rücken zu legen. Aber achten Sie darauf die Decke zu wechseln, sollte sie sich mit Schweiß vollsaugen. Am besten ist eine Decke, die den Schweiß und die Feuchtigkeit nach außen transportiert.
 
Bangen bei der Nachuntersuchung oben
  Auf kurzen und mittleren Distanzritten findet die Nachuntersuchung (NU) 2 Stunden nach Zieleinlauf statt. Auf langen Distanzen kann sie schon 1/2 Stunde danach stattfinden. Sie sind selber dafür verantwortlich rechtzeitig zu erscheinen.

Nutzen Sie die Zeit ihr Pferd gründlich abzuwaschen (außer bei kaltem Wetter) und zu putzen. Das tut dem Pferd sehr gut nach solcher Anstrengung. Außer Wasser ist als Pflegemittel
nichts anderes erlaubt! Also benutzen Sie kein Kühlgel oder Franzbranntwein, Sie würden den disqualifiziert werden!

In den 2 Stunden bis zur Nachuntersuchung können Sie das Pferd nochmals ausgiebigst tränken und es auch etwas füttern. Bandagieren Sie seine Beine mit Wollbandagen und Bandagenunterlagen, so können Sie immer wieder etwas Wasser hineingießen um die Beine zu kühlen. Es gibt auch Kühlgamaschen zu kaufen, die längere Zeit kühlen. Bevor Sie zur Nachuntersuchung gehen. wärmen Sie das Pferd ruhig noch etwas auf. Gehen Sie etwas mit ihm spazieren, lassen Sie es grasen und traben Sie es ruhig schon mal für sich vor. So verhindern Sie, daß ihr Pferd steif und umwillig geht.

Die Nachuntersuchung läuft ähnlich wie die Voruntersuchung ab. Besonders überprüft werden jetzt aber natürlich Gurt- und Sattellage und die Beine. Das Pferd muß so fit sein, daß es sofort nochmals 20 km laufen könnte ohne Schmerzen zu erleiden. Gurt- oder Satteldruck kann hier zum Ausschluß führen. In diesem Fall müssen Sie ihre Ausrüstung nochmals sorgfältig überprüfen und eventuell einen anderen Sattel ausprobieren. Zeigt ihr Pferd beim Vortraben Gangunregelmäßigkeiten, Lahmheiten, so führt das zum Ausschluß. Hier zeigen sich auch häufig erst angeborene Fehler der Beine. Überprüft wird auch wie erschöpft das Pferd ist. Im schlimmsten Fall ist sogar eine tierärztliche Behandlung nötig. Das Pferd kann Kolik, Verschlag oder einen Kreislaufzusammenbruch bekommen. Überanstrengung aber können nur Sie selbst vermeiden, indem Sie gut trainieren und ihr Pferd, bzw. seine Kräfte genau einschätzen lernen.

Haben Sie beide alles gut überstanden, können Sie mit Recht stolz auf sich und ihr Pferd sein. Sie beide zusammen haben eine großartige Leistung erbracht! Im Teamwork!
 
 Hurra, gewonnen! oben
  Jetzt haben Sie allen Streß hinter sich. Nun müssen Sie nur noch auf die Siegerehrung warten und egal wo Sie nachher landen, Sie haben den Ritt in der Wertung beendet. Ihre Belohnung ist kein Geldpreis, häufig nicht einmal eine Schleife, aber sehr oft eine tolle Stallplakette, auf die Sie zu Recht stolz sein dürfen.

Wetten das Sie nächstes Mal auch wieder dabei sein werden? Vielleicht wieder etwas länger?

Vorsicht! Distanzreiten macht süchtig!
  Sian Griffiths
 

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