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Gymnastik


Gymnastik für Distanzpferde – Winterarbeit


Schrittreiten
Bodenarbeit
Freispringen
Lektionen
Übrigens...
Die letzte Distanz war im November. Die Pferde genießen mit dickem Winterpelz und ebenso dickem Heubauch auf der Weide ihre wohlverdiente Winterpause. Bei eiskaltem Ostwind, der schneidend unter jeden noch so dicken Schal pfeift und knüppelhart gefrorenem Boden, mag keiner von uns so recht an ein Wiederkehren des Frühlings und damit der Distanzsaison glauben. Dabei beginnt die nächste Saison früher als man denkt, denn die ersten Distanzen sind bereits im März und unsere Pferde sollten deshalb bereits ab Januar wieder geritten werden.
  Glück haben all jene, die über einen winterfesten Reitplatz oder womöglich gar über eine Halle verfügen, denn sie können relativ wetterunabhängig reiten und trainieren. Alle anderen müssen jedoch mit den wetterüblichen Bodenbeschaffenheiten klarkommen und finden, wenn sie etwas Glück haben, vielleicht eine große Wiese mit etwas dämpfendem Gras darauf zum Reiten.

Daß unser Pferd nach der Winterpause nicht gleich da weitermachen kann, wo es am Ende der letzten Saison aufgehört hat, dürfte jedem klar sein. Doch wie gestaltet man gerade den Beginn des Trainings sinnvoll?
 nach oben Schrittreiten und Gymnastik
  Wie bereits erwähnt, haben alle Distanzreiter dort, wo sie nun mal am meisten trainieren müssen, im Gelände, den Winter über Probleme mit dem Wetter und dem Boden. Deshalb scheint es nur natürlich, unser erstes Training mit langen Schrittausritten zu beginnen. Dabei sollte man sein Pferd jedoch nur ab und an wirklich Bummeln lassen, denn zügiger, raumgreifender Schritt ist, was am meisten bringt. Das Pferd muß weit ausgreifen, dadurch arbeitet der Rücken verstärkt und schwingt mehr. Die Rückenmuskulatur wird abwechselnd angeregt und gestärkt und so auf die Ausdauerbelastung der Saison vorbereitet. Durch das weite Vorschwingen der Vorderbeine trainieren wir gleichzeitig die Muskulatur und bereiten die Beine unseres Pferdes auf die langen Trabtritte der Distanzen vor.
Zusätzlich zum Reiten können wir diesen Effekt auch durch gezielte Gymnastik ergänzen, indem man abwechselnd ein Vorderbein aufnimmt, sachte nach vorne zieht, einige Zeit so hält und wieder langsam nach rückwärts zieht. Auch hier einige Zeit halten und wenn möglich das ganze mehrmals wiederholen. Genauso verfährt man mit den Hinterbeinen. Aber Vorsicht! Nie Widerstand provozieren.
Die Rückenarbeit kann durch vorsichtiges Vorstrecken des Halses vom Boden aus unterstützt werden. Hervorragend wirkt hier z. B. ein Leckerlie! Auch die seitliche Biegung kann durch leichtes Herumnehmen des Halses (niemals jedoch am Zügel!) in jede Richtung verbessert werden.
 nach oben Bodenarbeit
  Wer nicht zum Reiten kommt, kann einen Teil dieser Gymnastik auch in Form von Bodenarbeit machen. Das Strecken des Halses und die Rückentätigkeit, wird durch Arbeit über Stangen gefördert. Zunächst sollten die Stangen alle ebenerdig liegen, doch sobald unser Pferd den Bogen raus hat, können wir die Aufgabe interessanter gestalten, indem wir jeweils eine Seite der Stange etwas erhöhen. Abwechselnd oder aber auch asymmetrisch, veranlaßt dieses unser Pferd zum genauen Hinsehen und damit zum bewußteren Bewegen seines Körpers. Die Stangen als Spinne angeordnet, fördern gleichzeitig die seitliche Biegung. Eine weitere Steigerung wäre eine Acht, mit einem Handwechsel, vorausgesetzt., man hat dafür genug Stangen zur Verfügung. Wer genug Puste hat, kann diese Übungen auch im Trab an der Hand ausführen. Dabei müssen aber immer die Abstände für die jeweilige Gangart korrigiert werden.
  Die gleiche Arbeit läßt sich unter dem Sattel ausbauen. Die Arbeit über Stangen wird ebenso wie die an der Hand gestaltet. Bei fortgeschrittenen, ausbalancierten Pferden sollten die Stangenabstände im Trab von ca. im ruhig etwas weiter auseinandergezogen werden, um unser Pferd zum stärkeren Abfedern in der Hinterhand und folglich zur Stärkung dieser, zu veranlassen. Bei geübten Pferden kann der Stangenabstand z.T. bis 2 m (!) erweitert werden. Diese Stangenarbeit läßt sich besonders gut zunächst an der Longe ohne störendes Reitergewicht vorbereiten. Viele Pferde tun sich etwas schwer mit so raumgreifenden Tritten unter dem Reiter, also langsam steigern.
 nach oben Freispringen
  Auch Freispringen, ganz frei oder an der Longe, fördert die Rückentätigkeit unseres Pferdes. Pferde, die geübt genug im Springen sind, kann man auch über kleine, Oxer springen lassen und diese ebenfalls nach und nach auseinanderziehen. Entscheidend für unser Distanzpferd ist dabei nicht die Höhe, sondern das kräftige Abstoßen und Langmachen beim Fliegenlassen. Ideal sind auch Sprungreihen als In-Out gestaltet, gerade aber auch auf gebogenen Linien. Die Pferde lernen flexibel im Rücken zu arbeiten und immer im gleichen Rhythmus sich auszubalancieren. Die Sprünge sollten nicht zu hoch sein, können aber in Höhe und Breite abwechseln. Als Alternative für einen Sprung laßt sich auch eine Stange, noch besser eine flache Planke (diese rollt nicht so leicht weg) einsetzen. Das schult Aufmerksamkeit und Gehorsamkeit des Pferdes.
 nach oben Gymnastische Lektionen
  Sinnvolle Übungen unter dem Reiter sind vor allem biegende Lektionen. Unser durchtrainiertes Distanzpferd sollte in der Lage sein, auf eine geringfügige Gewichtsverlagerung seines Reiters, ein leichtes Vorschieben der Hüfte, sofort, ohne Zügelzerren und -ziehen, in einen neuen Weg einzubiegen. Das kann man trainieren! Voraussetzung hierfür ist ein korrekt ausgeführter Schwebesitz oder alternativ ein Entlastungssitz. Unser Pferd soll selbständig arbeiten, unsere Einflußnahme muß so gering wie möglich sein, deshalb geben wir beim Reiten immer nur kleine Impulse. Auch das kann man trainieren. Beginnen sollte man mit kleinen Richtungwechseln von der Geraden. Das kann man sowohl in der Halle, als auch im Gelände machen. Angenommen man trabt auf der rechten Hand, verlagert man sein Gewicht nun nach Innen, also nach rechts. Gleichzeitig legt man den äußeren, linken Zügel an die Halsseite an. Der linke Schenkel liegt etwas weiter zurück und gibt in dieser Phase noch einen leichten treibenden Impuls. Um unserem Pferd deutlich zu machen, was wir von ihm wollen, kann zu Beginn dieser Lernphase noch der innere, rechte Zügel bei öffnender, richtungsweisender Hand verwendet werden. Niemals daran ziehen! Dann würde unser Pferd sofort mit der Hinterhand, wie ein schlecht gesteuerter Formel-1-Wagen nach außen wegschleudern und nichts wäre mit unserer eleganten, zeitsparenden Kurventechnik!
Wenn unser Pferd gelernt hat, in einem rechten Winkel von der Geraden abzubiegen, lernt es das nun auf gebogener Linie. Zirkel und Volten in allen Abmessungen bieten, korrekt geritten, eine gute Trainingsmöglichkeit. Klappt es mit Biegungen auf einer Hand, bauen wir Richtungswechsel mit ein. Idealist dafür das Slalomreiten. Auch hierbei gilt, wie immer, vom Leichten zum Schweren. Beginnen Sie mit nur wenig Slalomhüten (Kisten, Strohballen, Jacken, Maulwurfshügel, Bäumen, was auch immer), zwei bis drei reichen völlig für den Anfang. Unser Pferd soll nun lernen, in Slalom, also im ständigen Wechsel von einer Hand zur anderen, sich möglichst leicht, ohne viel sichtbare Hilfen, hindurch steuern zu lassen. Verfeinern Sie ihre Technik immer mehr, bis Sie wirklich nur noch eine geringfügige Gewichtsverlagerung brauchen. Profis können das ganze später auch im Galopp, aber bitte langsam steigern, überfordern wollen wir unser Pferd nicht, denn dann verliert es ganz schnell die Freude an der Arbeit und wir sind doch Partner!
Erst wenn sie ihr Pferd mit leichten Impulsen im Trab durch die Slalomstangen bringen können, sollten sie es einmal mit einer vollständigen Wendung versuchen. Hierfür nehmen sie sich ein Hütchen (oder s.o.). Zunächst im Schritt, später auch im Trab und Galopp, reiten sie diese Wendemarke gerade an, überreiten sie etwas und leiten dann die Wendung ein. Der Wendekreis darf zu Beginn ruhig etwas größer ausfallen, aber achten sie selbstkritisch auf die Hinterhand ihres Pferdes. Um wirklich effektiv klein zu wenden, darf die Hinterhand nicht hinausschleudern, sondern muß vermehrt unter den Körperschwerpunkt kommen und den aufgefangenen Schwung blitzschnell wieder in die neue Richtung entlassen. Das erfordert schon einige Übung, vor allem wenn man diese Übung später zu einer Art großzügigen Pirouette (oder Spin) ausfeilt.
 nach oben  Übrigens
  Alle diese Übungen ersetzen aber nicht das Ausdauertraining im Gelände, sie ergänzen es nur. Sobald es der Boden zuläßt, sollte mit ruhigen, langen Trabausritten die Kondition aufgebaut werden. Hierbei auftauchende Steifheiten auf einer Hand müssen sorgfältig mit oben beschriebenen Übungen bekämpft werden. Jedes Pferd hat eine steife Seite, so wie jeder Reiter. Deshalb sollte auch der Reiter sich frühzeitig Gedanken über seine eigene Fitneß machen. Jogging und Gymnastik machen auch den Reiter fit, um sein Pferd in der folgenden Saison größtmöglich zu entlasten und zu unterstützen. Letztendlich müssen beide Partner fit sein um die vor ihnen liegende Aufgabe zu bewältigen.

Sian Griffiths


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