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Der optimale Distanzsitz


  Vorbildung Anatomie Reitstil
Sattel Ausbildung Distanzsitz Vermittlung

Im Gegensatz zu anderen Reitsportdisziplinen, basiert das Distanzreiten bisher noch auf keiner eigenen ,,Reitlehre". Vielmehr spiegeln sich im Distanzsport die ganzen Variationen des Reitens wieder, sowohl in der Ausrüstung von Reiter und Pferd als auch im jeweiligen Reitstil. Da gibt es Dressur- und Springreiter nach den Richtlinien der FN, Westernreiter, spanische oder iberische Reiter, Islandpferde- und andere Gangpferdereiter, Reiter der Leichten Reitweise ebenso wie Chironreiter und all die Dutzend anderen unterschiedlicher Stilrichtungen und Mischformen.

Jede dieser Reitweisen propagiert ihren eigenen typischen Sitz und Varianten davon und die entsprechende Einwirkung auf das Pferd, häufig mit besonderer Ausrüstung verbunden. Dadurch entstand zu Beginn des Distanzreitens ein kunterbunt gewürfeltes Panorama aller Reitstile auf jedem Distanzritt.

Im Laufe der Entwicklung des Distanzsportes hat sich noch nicht sehr viel geändert, die Distanzreiter selber sind noch immer ein recht bunt gemischtes Völkchen, doch ist heute schon ein gewisser Hang zur Uniformität und die Entwicklung eines eigenen Distanzstils zu beobachten. Aus dem Schmelztiegel der unterschiedlichen Reitweisen entwickeln sich Ausrüstung und Reitstil, die distanztypisch sind.

Die Sättel werden beispielsweise immer ähnlicher und zweckgebundener, die Kleidung und Ausrüstung variiert nur noch geringfügig. Diese Veränderungen vollziehen sich ganz allmählich und sind in Ländern mit längerer Distanzhistorie (bestes Beispiel die USA, Frankreich und Großbritannien), wesentlich deutlicher zu beobachten. Denn nur das wird weiterhin verwendet und weiter empfohlen, was sich beim Überwinden langer Strecken auch wirklich bewährt hat.

Der Reitstil im Distanzsport

Einem unerfahrenen Distanzneuling wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Reitstilen in mehr oder weniger korrekten Ausführungen auffallen. Tatsächlich gibt es keinen allgemein gültigen Reitstil, doch kristallisiert sich, in verschiedenen Varianten, ein entlastender Sitz heraus, der keiner eigenen Reitweise zu zuordnen ist und somit wohl als Distanzsitz bezeichnet werden kann.

Welche Sitzvariante die richtige ist, läßt sich nur beurteilen, wenn man verschiedene Details in die Überlegung mit einfließen läßt.

Vorbildung

Je nachdem, aus welcher anderen Vorbildung der Distanzreiter kommt, wird er seinen Sitz modifizieren müssen, um den Anforderungen des Distanzreitens zu genügen.

So wird z.B. der Westernreiter aus dem reinen Aussitzen, vermutlich mit etwas verkürztem Bügel zu einem entlastenderem Sitz kommen, der klassische Springreiter hingegen bei verlängertem Bügel den Oberkörper mehr aufrichten.

Auch ein Reiter, der keinerlei bestimmte Reitausbildung genossen hat, wird sich einen bestimmten Sitz angeeignet haben, dessen Tauglichkeit für die Lange Distanz zunächst einmal kritisch erwogen werden muß.

Das setzt voraus, das der Ausbilder selber erkennen kann, in welche Richtung Veränderungen vorgenommen werden können. Ein Pressen in eine einzige Sitzform ist nicht sinnvoll, da neben der Vorbildung bzw. keiner Bildung auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Der Sattel

Jeder Sattel behindert oder unterstützt bestimmte Sitzformen. Ein spanischer Sattel läßt mit seinen Aufbauten ein Leichttraben praktisch nicht zu, die fehlende Pausche des Western- oder McClellan Sattels kann hingegen keinen Knieschluß fördern.

Unabhängig davon ob ein Sattel vernünftig sitzt, muß beurteilt werden, ob dieser Sattel dem Reiter in der Sitzform entgegen kommt oder ihn eher behindert. Maßgeblich können dabei Sitzgröße, Schwerpunkt, Vorderzwiesel und Efterform, Pauschen oder eben auch keine, die Lage der Pauschen und die Steigbügelaufhängung sein.

Um hier eine korrekte Beurteilung und ein Formen in eine bestimmte Richtung zu ermöglichen muß zusätzlich auch noch ein weiterer Punkt in Betracht gezogen werden.

Die Anatomie des Reiter

Jeder Reiter ist unterschiedlich gebaut. Ober- und Unterschenkellänge und -umfang, Armlänge, Schulternhaltung, Oberkörperform und –länge und Geradehaltung können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Ein Reiter mit sehr langen Beinen tut sich mit kurzem Bügel und einer damit bedingten starken Winkelung des Beines schwer und wird im Distanzsport vermutlich mit Gelenkschmerzen rechnen müssen.

Ausbildung des Pferdes

Wie die Vorbildung des Reiters maßgeblich an seiner Sitzfindung Teil hat, so muß auch der Ausbildungstand des Pferdes in die Überlegungen miteinbezogen werden. Ein junges Pferd wird mit wesentlich mehr Hilfengebung geritten werden müssen, wie ein weit ausgebildetes , sicheres Distanzpferd, bei dem der Reiter nur noch leicht einwirken muß um Tempo- oder Richtung zu verändern.

Wesentlich spielt hier vor allem die Losgelassenheit des Pferdes eine Rolle, ohne die der Reiter immer aktiv einwirken muß, um sie herzustellen, somit also zu diesem Zeitpunkt keinen passiv begleitenden Sitz entwickeln kann.


Der Distanzsitz

Einige Forderungen müssen in jedem Fall an den Distanzsitz gestellt werden:

Der Reiter muß das Pferd optimal entlasten können. Der Sitz darf nicht zu kraftaufwändig für den Reiter sein, immerhin muß er über mehrere Stunden damit reiten können ohne zu ermüden. Trotzdem muß der Sitz auf ein unbedingtes Vorwärts ausgerichtet sein, um gegebenenfalls auch treibend einwirken zu können. Der Sitz sollte möglichst keine Seite des Pferdes stärker belasten als die andere. Auch muß das Pferd im absoluten Gleichgewicht laufen, ohne die Vorhand zu stark zu belasten. Eine sehr feine Hilfengebung muß möglich sein, um schnell und ohne viel Geziehe und Gezerre eine neue Richtungen einschlagen zu können. Der Sitz muß sich allen Geländeformationen, besonders beim Bergauf- und Bergabreiten, anpassen lassen um das Pferd zu entlasten.

Es muß ein, den Pferderücken entlastender, Sitz sein. Der Reiter muß völlig in Balance sein, zügelunabhängig einwirken und sitzen können und absolut in der Bewegung des Pferdes mitgehen können. Der Absatz sollte weder heruntergedrückt noch hochgezogen werden, um ein Stehen auf den Zehenspitzen zu verhindern.

Negativ zu bewerten sind daneben eben auch das Reiten gegen die Bewegung des Pferdes und eine störende Hand.

Innerhalb dieses Rahmens ist verschiedenen Varianten Spielraum zu lassen.

Grundsätzlich sollte der Distanzreiter seinen Sitz und die Hilfengebung dermaßen verfeinern, daß er größtenteils passiv das Pferd begleiten kann.

Die Einwirkung beschränkt sich auf feine Impulse zum Richtungs- oder Tempowechsel. In der Regel wird z.B. der Richtungswechsel durch die Gewichtsverlagerung und ggf. durch das Anlegen des äußeren Zügels (Neckreining) erfolgen. Die Temporegulierung durch ein leichtes Aufrichten im Oberkörper und einem leichten Annehmen der Zügel.

Selbstverständlich setzt diese Einwirkung eine sorgfältige Ausbildung und Gymnastizierung des Pferdes voraus.

Vermittlung des Distanzsitzes

Der Ausbilder des Distanzreiters hat von allen Ausbildern womöglich die interessanteste Aufgabe. Er muß die oben genannten Faktoren zuvor genau abwägen und in seine Anweisungen mit einfließen lassen. Und er kann den Distanzreiter nicht in ein Korsett zwingen, sondern muß didaktisch geschickt, den Reiter zum eigenen Reflektieren über den für ihn geeignetsten Sitz bringen.

 

©Sian Griffiths

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