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Reitstunde


Sinnvoller Aufbau einer Reitstunde


Lösungsphase Entspannungsphase Arbeitsphase 2. Entspannungsphase

  Jede Reitstunde besteht aus verschiedenen Phasen. Je nach Reiter und Pferd, sollte der/die Reitlehrer/in einzelne dieser Phasen verlängern, verkürzen oder weglassen, wie es sinnvoll erscheint.
Besonderes Augenmerk muß dabei auf die Einhaltung und Erarbeitung der Ausbildungsskala sowie des korrekten Reitsitzen gelegt werden. Der Sitz ist die Basis allen Reitens und der/die Reitlehrer/in muß in der Lage sein, von Sitzproblemen des Reiters auf Rittigkeitsschwierigkeiten des Pferdes zu schließen.
Üblicherweise besteht die Reitstunde (ca. 1Stunde, je nach Reiter und Pferd aber auch zwischen 30 und 45 min) aus vier Phasen.
Die erste Phase ist zugleich auch die wichtigste:

Lösungsphase: nach oben

  Das Pferd sollte in dieser Phase die drei ersten Punkte der Ausbildungsskala voll erreichen: Takt - Gleichmaß in allen Schritten, Tritten und Sprüngen (Schritt, Trab, Galopp) ohne Taktstörungen, ohne zu eilen, Losgelassenheit - taktmäßig ans Gebiß herantreten, bei schwingendem Rücken und untersetzender Hinterhand sucht das Pferd vertrauensvoll die weiche nachgiebige Reiterhand, woraus sich die Anlehnung ergibt.
Wichtig: kein Punkt kann ohne den anderen erreicht werden, sie bedingen einander unmittelbar. Ein Pferd kann sich erst dann loslassen, wenn es taktmäßig geht und nur dann sucht es die Anlehnung und der Reiter kommt zum treiben.
Die Lösungsphase ist die mit Abstand wichtigste Phase, denn nur wenn das Pferd korrekt gelöst worden ist, ist es in der Lage in Übungen und Lektionen gearbeitet zu werden, sich versammeln zu lassen oder die Gangarten zu verstärken.
Die Dauer einer Lösungsphase ist unterschiedlich. Bei voll ausgebildeten Pferden sollten die Ziele spätestens nach 10 min erreicht sein. Der/die Reitlehrer/in muß hierbei abschätzen können, ob eventuelle Schwächen in dieser Phase zu verzeihen sind und in der Arbeitsphase verbessert werden können, oder ob gegebenenfalls die Lösungsphase weiter ausgedehnt werden muß. Bei jungen Pferden sollte der größte Teil der Unterrichtseinheit aus der Lösungsphase (möglichst von mehreren Entspannungsphasen unterbrochen) bestehen.
Jede Lösungsphase beginnt mit Schritt am langen Zügel, das ist die erste lösende Lektion. Der Bewegungsapparat des Pferdes benötigt ca. 10 min um warm zu werden, andernfalls sind Schäden möglich. In dieser Übung ist es besonders wichtig, einen klaren Viertakt zu erreichen ohne störende Handeinwirkung und bei frei schwingendem Rücken.
Die folgende Trabarbeit (im Leichttraben!) sollte immer auf großen gebogenen Linien erfolgen, vornehmlich Zirkel, auf beiden Händen gleichmäßig, mit häufigem Handwechsel. Gerade Linie haben in der Lösungsarbeit nichts verloren, denn sie setzten schon eine Geraderichtung voraus, die erst über Takt- Losgelassenheit- Anlehnung erarbeitet werden sollte. Ebenso sind enge gebogene Linie zu vermeiden, da in dieser Phase auch die Versammlung noch nicht genügend ist.

Die Überprüfung der Losgelassenheit erfolgt durch Zügel aus der Hand kauen lassen. Dabei muß das Pferd sich je nach Veranlagung nach Vorwärts - Abwärts dehnen. Erst wenn die im Trab zufriedenstellend erfolgt, wird das Pferd im Galopp gelöst. Auch im Galopp sollte die Losgelassenheit mittels Zügel aus der Hand kauen lassen überprüft werden.
Weitere Hinweise für die beginnende Losgelassenheit sind das Abprusten und das Einspeicheln des Gebisses, was sich durch feinen, weißen Schaum am Maul äußert. Bei manchen Pferden kann man auch beobachten, daß die Ohren seitwärts gehalten werden und im Takt wippen. Meist das innere stärker als das äußere.
Weitere lösende Übungen können sein: Stangenarbeit, Longieren, Arbeit an der Hand, häufige, flüssige Übergänge von Gangart zu Gangart, Tempiwechsel.
Nur bei sehr weit ausgebildeten Pferden lassen sich stark versammelnde Elemente, wie zum Beispiel die Piaffe (an der Hand oder unter dem Reiter) vor der Lösungsphase einsetzten. Aber auch hier muß eine entsprechende Aufwärmarbeit im Schritt vorangehen.

Entspannungsphase: nach oben

  Sie folgt unmittelbar nach der Überprüfung der Losgelassenheit. Das Pferd wird im Schritt am langen Zügel ruhig auf beiden Händen geritten. Ca. Minuten sollten dafür eingeplant werden.

Arbeitsphase: nach oben

  Nun beginnt der Teil der Stunde, in dem das Pferd über vielfältige Lektionen und Übungen, gymnastiziert und verbessert werden soll. Beobachtungen aus der Lösungsphase müssen jetzt vom Reitlehrer/in umgesetzt werden. Zeigte sich beispielsweise eine Steifheit auf einer Hand, kann nun darangegangen werden, diese Seite verstärkt zu arbeiten.
Wichtig ist es, Lektionen immer vom Leichten zum Schweren zu erarbeiten. So wird beispielsweise eine Traversale über Reiten in Stellung, Schultervor, Schulterherein mit vielen Volten, Renvers und Travers bis zur Traversale gesteigert. Immer wird gleichmäßig auf beiden Händen gearbeitet und es sollte nicht zuviel unterschiedliches in ein und derselben Stunde erarbeitet werden. Sinnvoll ist es, verwandte Übungen zu kombinieren z.B. Übertreten an der offenen Zirkelseite und zur geschlossenen Seite angaloppieren. Das Pferd wird bereits zuvor durch das Übertreten gebogen und vom inneren Zügel gelöst. Es tritt an die äußeren Hilfen heran und wird beim Angaloppieren vermehrt den inneren Hinterfuß belasten.
Jede Stunde muß mit einem positiven Erlebnis enden. Wenn sich in der Arbeitsphase erweisen sollte, das die gestellten Anforderungen für heute zu hoch waren, muß der Ausbilder notfalls auch mal drei Schritte zurückgehen und wieder an der Basis arbeiten!

2. Entspannungsphase: nach oben

  Als Abschluß wird zur Überprüfung der Losgelassenheit nochmals im Trab und Galopp, vornehmlich auf dem Zirkel, auf beiden Händen, Zügel aus der Hand kauen lassen verlangt. Hier bietet sich dem/der Reitlehrer/in nochmals die Gelegenheit, Erkenntnisse über den jeweiligen Ausbildungsstand und eventuelle Schwächen zu gewinnen, um sie in der nächsten Stunde in der Arbeitsphase in sinnvollen Lektionen umzusetzen.

Im Schritt am langen Zügel sollte die Stunde beendet werden.
  Der/die Reitlehrerin sollte dann auch bemüht sein, im Dialog mit dem Schüler, Probleme und Lösungen nochmals zu besprechen und zu festigen und den weiteren Weg der Arbeit aufzuzeigen. Dazu gehört auch eine Anweisung für die weitere Arbeit bis zur nächsten Stunde, um das selbstständige Arbeiten des Reiters zu fördern.

©Sian Griffiths

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